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Vom Bolzplatz in die Bundesliga

Der VfB Stuttgart fasst die Nachwuchsarbeit und das Scouting unter der Leitung von Ralf Becker zusammen

„Wir haben doch selbst hier in der Jugend gespielt“, sagt Ralf Becker (links) - und Fredi Bobic hört genau zu. Rechts VfB-Präsident Gerd Mäuser.Foto: Rudel
 

„Wir haben doch selbst hier in der Jugend gespielt“, sagt Ralf Becker (links) - und Fredi Bobic hört genau zu. Rechts VfB-Präsident Gerd Mäuser. Foto: Rudel

 

Stuttgart - Der VfB Stuttgart hat nach dem überraschenden Abgang von Jugendleiter Marc Kienle zu Bayern München die Nachwuchsarbeit neu ausgerichtet. Ab sofort wird sie bei dem Fußball-Bundesligisten gemeinsam mit dem Scouting organisiert. Neuer starker Mann ist der bisherige Chefscout Ralf Becker.

Von Sigor Paesler

Die erste Garde des VfB hatte sich zur Präsentation des neuen Nachwuchskonzeptes und seines Leiters versammelt. Auch, um zu unterstreichen, welchen Stellenwert dieser Bereich im Verein besitzt. Präsident Gerd Mäuser betonte, dass die Stuttgarter schon heute je nach Rechnung 6 bis 8,5 Millionen Euro pro Jahr in die Nachwuchsarbeit investieren und 80 Personen in diesem Bereich beschäftigen: „Das ist eine ganze Menge, die der VfB hier investiert.“ Doch die Konkurrenz hat aufgeholt. „Der VfB hat seit jeher eine gute Jugendarbeit“, betonte Becker, der gleichzeitig Sportlicher Leiter der U-23- bis U-17-Teams wird. „Wir müssen uns überlegen, wie wir diese Position halten können.“ Das Problem dabei: Die umworbenen Spieler werden immer jünger. Oder wie es Becker ausdrückte: „Der Kampf um die Talente ist unheimlich aggressiv geworden.“ Das findet er zwar nicht gut, für den VfB bedeutet es aber, dass er noch früher anfangen muss, sich die besten Kicker aus der Region zu sichern. Eine entscheidende Rolle wird dabei der Esslinger Martin Hägele spielen, der sich ab dem 1. Juli als Kinder-Koordinator ganz um die Sichtung der Jüngsten kümmern und dabei „die Bolzplätze im Großraum Stuttgart im Blick haben wird“ (Sportdirektor Fredi Bobic).Die Nachwuchsarbeit und das Scouting unter ein Dach zu packen, macht durchaus Sinn. Bisher standen die Abteilungen manchmal in Konkurrenz zueinander. „Die Nachwuchstrainer wollen möglichst viele Spieler nach oben bringen, die Scouts möchten auch möglichst viele unterbringen“, erklärte Bobic. „Wir müssen uns hier weiterentwickeln, weil sich der Fußball weiterentwickelt.“ In Zukunft soll in die Beobachtung von externen Spielern verstärkt das Wissen mit einfließen, in welchen Bereichen der eigene Nachwuchs genug hergibt und in welchen es Lücken gibt. Die Wege sollen noch kürzer, die Entscheidungen noch schneller getroffen werden.Dieses Konzept haben die Stuttgarter selbst entwickelt, einige Anregungen haben sie sich bei Vereinen wie dem FC Barcelona und Arsenal London geholt. Becker, der wie Bobic selbst in der VfB-Jugend gespielt hat, etwa sah sich bei seinem Besuch in Spanien bestätigt: „Es ist auffällig, wie viele gute Spieler schon bei Barcelona sind, seit sie 12 oder 13 Jahre alt sind“, berichtete er. Lionel Messi ist keine Ausnahme. Stolz wies Bobic aber darauf hin, „dass die anderen Vereine auch etwas von uns wissen wollten - der VfB ist in Sachen Jugendarbeit eine Marke“. 51 Juniorennationalspieler kicken derzeit beim VfB, davon 37 in Teams des DFB. Becker und seine Mitstreiter sollen dafür sorgen, dass davon mehr den Sprung ins Bundesligateam schaffen als bisher.Dafür will der Verein weiter investieren. Eine einheitliche Spielweise ist selbstverständlich, die Vorgabe, dass alle Jugendtrainer ab der U 13 die Fußballlehrer-Lizenz besitzen müssen, ebenso. Ab Herbst sollen nun die Pläne für ein neues Jugendzentrum in die Tat umgesetzt und später das Fußball-Internat ausgebaut werden. „Da haben wir Nachholbedarf“, erklärte Mäuser. Einen neuen Rechtsverteidiger, wie er bei Cheftrainer Bruno Labbadia ganz oben auf dem Wunschzettel steht, wird das neue Konzept noch nicht hervorbringen. Dessen Name steht möglicherweise auf einer Liste, die Becker noch in seiner alten Funktion erstellt hat.

 

Artikel vom 27.06.2012 © Eßlinger Zeitung

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